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Koffer packen…

… für die Challenge Roth 2014…

Nun denn ist es also soweit, viel zu wenige Kilometer sind geschwommen, der Raddruck ist auch nicht so wirklich überzeugend aber wenigstens die Sache mit dem Laufen ist gut gelaufen dieses Jahr. 2 1/2 Wochen vor Roth hat mich noch eine 3fache Wurzelbehandlung gelähmt – dicht gefolgt von einem grippalen Infekt mit dessen Ausläufern ich jetzt noch kämpfe. Dementsprechend gut ist meine Laune und die Familie hat ordentlich mit meiner Stimmung zu kämpfen. Ich bekomme den Frust einfach nicht aus meinem Kopf.

Da bereitet man sich monatelang vor, in Gedanken schwimmt man zig Male durch den Main-Donau Kanal, quält sich den Kalvarienberg hoch, genießt die grandiose Stimmung am Solarer Berg läuft an die Lände, freut sich über die Gartenschlauchdusche in Schwand, holpert über das Kopfsteinpflaster in der Rother Altstadt, erreicht den Zielteppich, schenkt der Frau ein (wenn auch gequältes Lächeln) nimmt die Kinder rechts und links an die Hand und läuft durch den Zielbogen – und dann kommen die Zweifel… Zu viel Arbeit und krank auch noch, 4 Wochen miserables Training, weil es halt nicht anders ging, geschäftlich wie gesundheitlich! Also nochmal ruhig zusammenfassen: Der Stadt-Triathlon in München lief genau wie geplant, der Triathlon in Ingolstadt war fantastisch aus meiner Sicht und auch der verregnete Start beim Halbmarathon vom Münchener Stadtlauf lief mit eigentlich gut mit neuer PB – was zum Teufel ist denn jetzt schief in meinem Kopf?
Engel links: „Nichts, alles ist gut, Du gehst wenigstens gut getapert und völlig ausgeruht an den Start“
Teufel rechts: „Ha, Du wirst am Kalvarienberg schon das erste Mal weinen und jeder verdammte Kilometer an der Lände wird ein Fest der Schmerzen werden“
Engel links: „Na, na, na, alles wird gut – Du hast prima support an der Strecke, die Familie bestimmt bei der zweiten Durchfahrt Kalvarienberg da um Dich zu unterstützen und denk immer dran, Alois und Stefan werden schon in Eckersmühlen stehen und Dich unterstützen. Wenn Du Glück hast kommt noch Rudi an der Marathonstrecke vorbei und ausserdem und überhaupt, schau mal auf die Ergebnisse aus diesem Jahr, was willst Du denn? So schnell vergeht die Form nicht“
Teufel rechts: „Hahaha, da kommt das erste DNF auf Dich zu mein Freund – der Husten ist noch nicht weg und eigentlich fehlt Dir ein 30km Lauf und eine lange Radausfahrt“
Ich habe jetzt meinen beiden Kameraden auf der Schulter befohlen die Schnauze zu halten und La Paloma zu pfeifen, denn beide haben ein bisschen Recht, es wird ab einem gewissen Punkt weh tun, der Husten wird den Traum von einer für mich tollen Zeit eher verhindern, aber so schnell vergeht die Form wirklich nicht und bisher lief das Jahr mit allen Trainingswettkämpfen wirklich gut. Also – DNF is not an option und see you at the finishline.

Was hat das alles eigentlich mit Kofferpacken zu tun?

Zugegeben eigentlich nichts, aber jetzt könnt Ihr Euch den Zustand in meinem Kopf vorstellen. Also dann, ich packe meinen Koffer und nehme mit: 

Koffer

Meinen Sailfish Vibrant, meinen Bell – Helm, die Shimano – Radschuhe, das quietschgelbe Sugoi – Shir damit mich Familie und Freunde schnell erkennen, meine Tri-Hose und ganz wichtig: meine verspiegelte Sonnenbrille, die mich ab Wechselzone 1 bis zur Finishline begleiten wird, soll ja keiner die Verzweiflung in meinen Augen sehen. Zum laufen gehen die Brooks Ghost 6 mit und mein Cap. Warum der Brooks Ghost 6? Ganz einfach, der Schuh verzeiht mir wenn ich ab Kilometer 10 beim Marathon unsauber laufe und außerdem hat er mich über viele, viele Kilometer im Training getragen, also wird er mich auch gut über den Marathon bringen.

Heute Abend wird dann der Kofferraum gefüllt und am Samstag um 10 Uhr verabschiede ich mich mit den Worten: „Erwartet mich am nächsten Tage bei Sonnenuntergang im Rother Triathlonpark“

 

Trainingsrunde zwischen Brauerei und Profi

Samstag, der Wecker meldet um 6:30 erbarmungslos aber wenigstens mit angenehmer Musik „AUFSTEHEN! Nun gut, Frühstück einnehmen Rad ins Auto werfen, zur Sicherheit die Laufschuhe ins Auto packen, damit ich nichts verpasste und langsam aber sicher Richtung Pyras fahren.

Pyras? Ja, Pyras, ein kleiner Ort in der Nähe von Thalmäßing mit der Pyraser Landbrauerei. Warum Pyras? Nun 2011 waren Alois, Veit und ich, Dank Veit als Pyraser Staffel unterwegs und Marlies Bernreuther hatte eingeladen zur Radstreckenbesichtigung der Wettkampfstrecke der Challenge Roth. Veit, der mal wieder der Initiator war, war schon in Kroatien, also leider alleine Richtung Roth.

In Pyras angekommen Rad aus dem Kofferraum, den ersten Mitradler getroffen und dann Fabian Konrad, einen sympathischen

Profi kennengelernt, verdammte Axt, so schauen also die wirklich fitten Jungs aus. Nach und nach trudeln immer mehr Rennradler und mit Aerobike bewaffnete Menschen ein. Auch der Challenge Chef Felix Walchshöfer hochstpersönlich holt sein Rad aus dem Kofferraum. Ein lustiger, bunter Haufen. So jetzt: Wir machen 2 Gruppen eine mit 25km/h und eine mit 32-35km/h…. Ein kurzer Disput mit mir selbst: „25 ist zu langsam, aber wenn die von 32 bis 35 sprechen wird es am Ende ein 35ger Schnitt werden und die Hügel in Roth sind schlimmer als die topfebene Strecke in Ingolstadt, was mach ich denn jetzt nur…..“

„Und Abfahrt“ brüllt irgendeine Stimme und ehe ich mich versehe kurble ich mit 4 schnellen Rennradlern und einem Profi Richtung Strecke. Nach wenigen Metern ist mir klar: Die 32 waren nur für Einfallspinsel wie mich gesagt worden…. Nun ja, ich überlebe auf der ganzen Strecke 12 Kilometer vorne im Wind, den Rest rolle ich im Windschatten mit oder hechele an den Anstiegen verzweifelt hinterher. Leicht abschüssige Strecke, der Tacho zeigt 49km/h ich überlege das Treten einzustellen eine mahnende Stimme: „Hast Du keinen Gang mehr?“ Achso, ja bitte wie? „Aaf dem Stüggele fahred mir immer mir üwer 50“ werde ich belehrt, ein Lehrer, 61 Jahre und topfit, lustiger Kerl mit ordentlich Bums in den Beinen, nur bei Abfahrten bremst er tatsächlich etwas mehr als ich. Am Kalvarienberg verschiesse ich dann meine letzten Körner und der letzte Anstieg kurz vor der Abzweigung nach Pyras lässt mich um Fassung ringen. Zweimal mussten die „irren Typen auf Ihren fliegenden Kisten“ mich wieder einsammeln, und mich in die Gruppe zurückziehen. Uff, nun ja, Lehrstunde bekommen – Runde zu Ende, ausrollen zur Brauerei – mit 30 versteht sich.

Nach einiger Zeit (als ich endlich wieder normale Farbe im Gesicht hatte) kam die zweite Gruppe auch wieder bei Pyraser an. Die Trikotübergabe für die Pyraser Staffel stand an, tolle Worte von Marlies Bernreuther und Felix Walchshöfer über eine jahrelange Partnerschaft zwischen Challenge Roth und der Pyraser Brauerei.

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Während ich wieder um normalfarbe im Gesicht gerungen habe, hat Fabian Konrad gemeint: eine 5:30 kannst schon fahren am 20.07 – wenn ich danach keinen Marathon mehr laufen müsste – ja, aber in der Gewissheit des Marathons – nein 🙂

In diesem Sinne, zum Wohl

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Triathlon Ingolstadt – der Weg nach Roth scheint zu passen

Am Samstag haben Veit und ich entspant die Startunterlagen geholt, die Bikes eingecheckt und sind danach noch eine Runde um den See gefedert um ein Gefühl für die Laufstrecke zu bekommen. Erstes Fazit: schöner Baggersee, flache, schnelle Laufstrecke und die Wassertemperatur wurde mit 19,1 Grad angegeben.

Sonntag, 5:30 klingelt der Wecker – aufstehen, frühstücken und ab nach Ingolstadt.
In Ingolstadt angekommen noch schnell die Wechelzone fertig einrichten und ein wenig warten auf den Start. Um 09:20 war Wettkampfbesprechung, die üblich Regelkunde, nichts überraschendes bis auf den Moment als der Wettkampfleiter die Bühne betritt: „Das Wasser hat eine Temperatur von 17,1° Grad – ein Raunen geht durch die anwesenden Starter. Der nächste Knaller folgt dann auch sofort: „Auf der Radstrecke sind die ersten 2 Kilometer absolutes Überholverbot es ist sehr eng und sehr gefährlich“. Ein kleiner Exkurs in meine Gedankengänge in diesem Moment: „Prima, für die schnellen Schwimmer ist dann alles in Ordnung, für mich wird das mit Tempo 25km/h auf die ersten beiden Kilometer ordentlich ärgerlich“. Aber gut, nicht nachdenken, einschwimmen gehen. Der neue Neo den ich mir am Freitag noch besorgen musste, weil mein alter Aufgrund von Materialverschleiß das zeitliche gesegnet hat ist gut! Es läuft kaum Wasser hinein und fühlt sich deutlich wärmer an.

Schwimmstart: WZ
Punkt 10:25 gehts ins Wasser – ganz rechts hinten habe ich mich beim Landstart angestellt, wohlwissend, dass ich ansonsten einen Tauchkurs machen würde. Im Zick – Zack geht es durch den Ingolstädter Baggersee, ich versuche mir immer wieder die Erklärung von der Wettkampfbesprechung ins Gedächtnis zu rufen: Die Pyramiden links und die Quadrate rechts liegen lassen. Scheint zu funktionieren, ich paddle wie immer im letzten Viertel des Schwimmfeldes vor mich hin, bei Kilometer 1,5km gibt es plötzlich Gegenverkehr – kein Wunder bei der Schwimmstrecke – aber keine ernsten Berührungen. Schwimmausstieg nach 00:45:34 (geplant: 00:46:40) erreicht, ja – das

T1
Durch T1 in 00:04:29 gurchgewurschtelt, nicht zufriedenstellend, wie immer war ich zu blöd mein Oberteil zügig anzuziehen, aber was solls, die geplanten 00:04:00 waren eigentlich auch auf einen etwas kürzeren Weg zur Wechselzone geplant.

Bike:
Nachdem die Radstrecke (fast) topfeben ist, bin ich nach 02:15:04 (34,02km/h) wieder vom Rad gestiegen, geplant waren 2:29:01 (31,0km/h). Die ersten beiden Kilometer waren wie zu erwarten ein Drama, Überholverbot auf 2 Kilometern und vor mir ein Radler, der bei 25km/h noch gemütlich Brotzeit gemacht hat. Als endlich die Hütchen weg waren konnte ich beschleunigen und etwas drücken, kurz vor dem „Wendepunkt“ dann ein etwas komisches Erlebnis, an einer Kreuzung standen 2 Polizisten, und das war es dann auch schon. Ich habe gerade noch 2 überholt und bin munter weiter gefahren, bis der auf gleicher Höhe der Polizist mich anschrieh: „Hey LINKS RUNTER KANNST DU NICHT LESEN!“, bremsen, umdrehen und zurück auf die Radstrecke…. Leicht verwirrt habe ich mir vorgenommen, bei der nächsten Radrunde das Schild zu suchen. Es ging Richtung Verpfegungsstelle, und tatsächlich dem einzigen „Anstieg“ der den Namen verdient hatte. Ein Gel, eine neue Flasche und weiter gings. Eine tolle Abfahrt durch eine Ortschaft, die dummerweise einige nötigte zu viel zu bremsen und die linke Spur bei der Gelegenheit zu blockieren, aber ok – lieber ein bisschen feig als einen Sturz riskieren. Auf dem Rückflug zum nächsten Wendepunkt habe ich mich dann etwas gewundert: Rudelbildung auf der Geraden, teilweise 10 – 15 Fahrer auf wenigen Metern, keine Überholvorgänge zu sehen, dafür schön Windschattenpressen – nicht ganz im Sinne des Erfinders. Aber was solls, geht mich ja nichts an. Wendepunkt am „Krankenhauskreisverkehr“ und wieder zurück in Aeroposition. Bei Kilometer 40 habe ich dann auf meinen Tacho geschaut und verwundert festgestellt, dass ich aktuell mit einem Schnitt von 34,1km/h unterwegs war. Für meinen Paceplan viel zu schnell und in Gedanken habe ich die bekannte Weisheit: „Alle 5 Minuten die Du auf dem Rad zu schnell unterwegs bist, bekommst Du beim Laufen doppelt zurück“ gedacht. Kurz innehalten, in den Körper gehört und der signalisierte: „Weiter – alles im grünen Bereich“. Na dann munter weiter treten. Beim zweiten Mal habe ich dann ein kleines Schild gesehen, das am Wendepunkt die Linkskurve angezeigt hat. Nun ja – wenn da noch ein Helfer stehen würde, wäre es einfacher. Zurück zum Baggersee, läuft, läuft immer noch und läuft gut. 2 Kilometer vor T2 habe ich dann etwas Tempo rausgenommen und mich aufgerichtet, ja der Körper macht heute alles fast schon überdurchschnittlich gut für meine Verhältnisse.

T2
Rad aufhängen, Helm ab, Schuhe wechseln und die Mütze auf den Kopf, am Dixie vor dem Ausgang bremsen und wie sollte es anders sein, meine fast schon obligatorische Sitzung halten, nach 00:02:56 war ich dann trotz Boxenstopp aus T2 draussen, geplant waren 00:03:00 – in weiser Voraussicht.

Run:
Auf der Laufstrecke angekommen war ich überrascht, das Schild Kilometer 1 nach 5:05 passiert und es ging mir phantastisch, ich habe dann entschieden jetzt einfach mal die Uhr, Uhr sein zu lassen und zu schauen was passiert. Passiert ist dann, dass Per Bittner an mir vorbeigeflogen ist, ich hatte das Gefühl den Rückwärtsgang eingelegt zu haben. Bei Kilometer 5 ein Blick auf die Uhr:
Engel links „Du bist viel zu schnell, bremse Dich ein, nicht dass Du es büssen musst“
Teufel rechts: „Läuft, lauf weiter Du Pfeifer, alles oder nichts“
Habe auf den Teufel gehört und bin einfach mal weiter gelaufen, bei Kilometer 10 der Blick auf die Uhr und ein kurzes rechnen: Durchgangszeit 51:06 – unter 5 Stunden kannst Du finishen, wenn Du jetzt konstant weiterläufst. Bei Kilometer 16 habe ich dann festgesellt, dass ich schneller geworden bin, und zwar deutlich, ich war eindeutig auf persönlicher Bestzeitkurs auf einem Halbmarathon!
Engel links: „Nimm Tempo raus, Du kommst unter 5 Stunden an, alles ist gut, Du sollst nicht einbrechen auf den letzten 5 Kilometern“
Teufel rechts: „Hahaha, los lauf schneller, wir pulverisieren Deine bisherige persönliche Bestzeit beim Halbmarathon“
Ja, mein Freund der Teufel…. Ich habe nochmals das Tempo forcieren können und bin bei Kilometer 18 mit der Gewissheit durchgescheppert, dass es eine neue PB wird. Ab dem Moment habe ich nur noch eine Unterhaltung mit meinem Teufel auf der rechten Schulter geführt in der es darum ging wie schnell es noch geht und es ging richtig schnell (für meine Verhältnisse, die guten Läufer unter Euch lachen wahrscheinlich bereits lange und herzlich).

Zieleinlauf, Uhr stoppen und: 1:43:30 (4:55m/km) statt der geplanten 1:54:17 (5:25m/km) ich lächle, zufrieden, sehr zufrieden, wenn ich bedenke wie schlecht mein Training im Winter lief und wie oft ich mit mir gehadert habe ob die Challenge Roth dieses Jahr überhaupt sinnvoll ist muss ich jetzt sagen: Alles im Plan, ich bin zufrieden.

Startnummer_MedallieAm Abend habe ich dann meine PB auf den Halbmarathon, die aus 2012 von der Challenge Kraichgau stammt betrachtet: 1:51:55 (5:18m/km) nun gut, man kann die Strecken von Kraichgau und Ingolstadt nicht vergleichen, während es in Kraichgau eine Höhenmeterschlacht ist, läuft man in Ingolstadt 4 Runden mit 9 Höhenmetern pro Runde, also wieder topfeben dahin, aber was solls, ich bin hellauf begeistert! Dummerweise verschiebt das jetzt den Anspruch an mich selbst beim Münchener Stadtlauf, da wollte ich ursprünglich eine 1:44:59 auf den Halbmarathon laufen, was PB bedeutet hätte. Hätte, hätte – Fahrradkette, kurze Unterhaltung mit Veit und die Entscheidung: Dann laufen wir halt 1:39:59 beim Stadtlauf, kann ja so schwer nicht sein…..
Engel links: „Da hast Du den Mund aber wieder ordentlich voll genommen, warum bestätigen wir nicht einfach die 1:43:30 und sind zufrieden?“
Teufel rechts: „So ists recht, immer schön drauf, ich will Dich leiden sehen“