DNF und sonstige Ärgerlichkeiten

Eigentlich wollte ich hier nur „kurz“ mein DNF in Roth verarbeiten, aber das zweite Sporthalbjahr hat mich momentan nicht gern.
2 Wochen vor Roth einen grippalen Infekt aufgeschnappt, kurz vor knapp wenigstens nur noch Husten und etwas schwach gings nach Roth:

Samstag vormittag ab ins Auto, alles war am Freitag schon gepackt und los gehts nach Roth!

km39_2

In Hilpoltstein am Schwimmstart Veit getroffen, Startunterlagen holen zurück und den Bike – check – in erledigen, richtig Vorfreude kommt auf als ich das Auto am Kilometer 39 Schild parke. Der Gedanke „wenn ich morgen hier bin, kommt das Lächeln zurück“ überkommt mich – nur: es sollte anders kommen.

 

 

 

Sonntag, 05:00 Uhr, der Wecker klingelt, Frühstück zusammen mit Veit, runter in die Wechselzone und alles vorbereiten. Das Rennrad (!!) steht noch an seinem Platz. Das Rennrad?? Ja, genau – ich habe aus reiner Vorsicht mein Rennrad mitgenommen, da habe ich ein paar Gänge mehr und vor allem ein paar kleinere Gänge für den Kalvarienberg, mein grippaler Infekt war noch nicht wirklich lange vorbei und der hartnäckige Husten immer noch anwesend….

Durchsage am Schwimmstart: „Das Wasser hat 21,7° Grad“ – ich ziehe meinen Neo an, der schlechte Schwimmer in mir jubliert, der gesunde Menschenverstand zweifelt…. Startgruppe 11 rein ins Wasser, meine Güte ist das Wasser warm! 21,7° Grad? Never, das muss wärmer sein. Startschuss und bin noch gute 30 Meter von der Startlinie weg, bei meiner Schwimmleistung ein halber Tagesritt 🙂 Nach knapp 1,5 Kilometer kommt die erste Wendeboje, ich schwitze und versuche mir Wasser in den Kragen laufen zu lassen. Auf dem Weg zur zweiten Wendeboje freue ich mich immer wieder über die Brücke mit vielen, vielen Zuschauern und einer riesen Stimmung. Zweite Wendeboje erreicht, was ist denn hier los? Ich als schlechter Schwimmer bin es gewöhnt meine Ruhe zu haben, aber heute kämpft Not gegen Elend im Wasser und ich bin mitten drin…. Unter der Brücke werde ich dann etwas abgedrängt und merke den Betonsockel der Brücke am Knie, halte kurz inne und will meine Schwimmrichtung korrigieren, dummerweise trete ich dabei in irgend etwas Scharfes und habe Schmerzen im Zeh. Schwimmaustieg erreicht, die Zeit, egal durchgekommen wie immer war die Devise. Ich packe meinen Wechselbeutel, laufe ins Umkleidezelt und stelle fest, dass ich einen ordentlichen Schnitt im Zeh habe der blutet. Egal, Socken drüber, Radschuhe an, jetzt beginnt der Spaß!

Biermeile
Biermeile Eckersmühlen

Auf der Radstrecke läuft erstmal alles nach Plan, bis zur zweiten Durchfahrt in Eckersmühlen läuft es prima, ich sehe Alois und Stefan, denen ich etwas zu früh vorbeikomme, ich esse, trinke und kippe mir Wasser über den Kopf. Sauber der Schnitt ist super, das geht sich mit unter 6 Stunden auf dem Rad locker aus denke ich mir und kurble weiter. An der Verpflegungsstelle bei km 105 bekomme ich Krämpfe im linken Bein – Nanu? Das vergeht schon wieder denke ich und kurble weiter, zweite Auffahrt Kalvarienberg  meine Frau und die Kids sind da. Sehr schön, alles freut sich nur mein Sichtfeld wird immer enger, gefühlt vom schönen Flatscreen umgeschalten auf eine alte kleine Röhre. Weiter rauf, kommt gleich die Abfahrt! Die Sonne hämmert inzwischen mit gut 38° auf den Asphalt und mein Sichtfeld entscheidet sich dazu immer enger zu werden…. Schlucken fällt schwer – da ist ein Streckenposten der Feuerwehr, ausklicken und dann dauert es ein wenig bis ich wieder weiß wo ich bin und was ich hier machen wollte.
Aufstehen, weitermachen meldet eine Stimme in meinem Kopf! Aufstehen, ja – aber weitermachen? Nein! Mir ist übel und vor allem schwindelig. Leichter Hitzschlag die Diagnose, also aus der Traum….

Die Streckenposten von der freiwilligen Feuerwehr sind gut drauf und ich nach einer Stunde auch wieder, blöde Sprüche kann ich an diesem Tag besser als Radfahren :-). Die Helfer haben alle Hände voll zu tun, die ersten 3 Rückholbusse sind bereits überfüllt als Sie bei uns ankommen. Als der Besenwagen vorbeikommt, kommt auch die Feuerwehr mit einem Mannschaftsbus und einem Materialwagen und sammelt uns (inzwischen sind wir zu viert an dieser Stelle) ein. Im nächsten Ort stehen 40(!!) Räder und zugehörige Triathleten die eingesammelt werden müssen. Einen Teil kann die Feuerwehr aufnehmen, den Rest nimmt das THW auf die inzwischen auch mit einem Mannschaftsbus und einem Materialwagen dabei sind. An der nächsten Verpflegungsstelle ist dann Feuerwehr und THW vollgeladen, kein Platz mehr – aber dort stehen auch noch 27 Triathleten denen die Hitze alles bzw. zu viel abverlangt hat. Wir werden in die Wechselzone 2 gefahren und die Helfer machen sich wieder auf weitere traurige Gestalten des Tages ein zu sammeln.

Ich treffe meine Familie, Alois und Stefan – alle sind froh, dass mir nichts fehlt. Der Zuspruch tut eigentlich gut aber mir ist zum weinen zu Mute… Natürlich war es gut aufzuhören bevor ich vom Rad falle, natürlich wäre ich wahrscheinlich irgendwann ins Feld gefahren oder auf der Straße gelegen…. Aber hey: „DNF is not an option!“ war das Motto – heute hat mein Körper eindrucksvoll demonstriert, dass DNF manchmal die einzige Option ist. Ich gehe mein Rad und meine Beutel holen, auf einer Bare wird eine Frau von den Sanis aus der Wechselzone getragen….. Bin ich froh, dass ich vorher ausgestiegen bin…. Ich muss trotzdem die Sonnenbrille vor die Augen nehmen, sonst sieht jemand meine Tränen….

Fazit: Mir geht es gut, ich bin gesund und das zählt.

Ein herzlicher Dank an meine Familie, auch wenn es für die Kinder eine Enttäuschung war nicht im Stadion mit mir einlaufen zu können.
Vielen Dank an Alois und Stefan, ich hatte mich auf Eure Unterstützung beim Marathon riesig gefreut.
Einen ganz lieben Dank an alle Twitteristi, Euer Zuspruch hat ungemein gut getan und
last but not least meine Handballmannschaft, als DNF’ler mit Applaus in der Halle empfangen zu werden – das hat nicht jeder 🙂

Eigentlich wäre genau hier Schluß gewesen und die Welt in Ordnung. War sie ja auch, bis Sonntag Nachmittag.

Kurz: Mittwoch nach dem DNF schon wieder schwimmen, radeln und laufen gewesen, kurz und knapp 1km / 22km / 6km weils gerade Spaß gemacht hat, Donnerstag entspannte 36km auf dem MTB, Freitag Rumpfstabi, Samstag 32km auf dem TT (33,98km/h) und 5,5km gelaufen mit einer 5:05min/km – die Welt schien wieder in Ordnung.
Sonntag ein bisserl Unfug Fußballspielen mit den Kindern, ein ganz klein wenig Basketball zocken und tja, eine Bewegung, ein Stich in der Wade und am Montag die traurige Gewissheit: Muskelfaserriss. Der Arzt hat mich beruhigt, ich darf viel Schwimmen, bald wieder locker Radfahren und wenn kein Belastungsschmerz mehr zu verzeichnen ist, wieder locker laufen. Dieses locker hat er mich auch übersetzt: Nicht länger als 1 Stunde und dann bitte ca. 1 bis 1:30 langsamer als das normale Dauerlauftempo…. Danke fürs Gespräch….
Ich habe mir dann erklären lassen warum er jetzt einen Kompressionsverband macht und dass wenn überhaupt die lustigen bunten Socken die die Triathleten so gerne tragen nur nach dem Training für die Regeneration förderlich sind. Im Wettkampf ist es „Mumpitz“ – nun gut, ich finde die Kompressionssocken eh etwas affig, aber da werde ich meine Meinung, zumindest nach harten Trainingseinheiten wohl überdenken müssen.

Das schönste war ja das Zertifikat vom „World Institute of Pain“ das an der Wand hing. Ich habe leise gelacht und mir gedacht die Jungs kennen meine Blackroll(r) nicht – wurde aber ein klein wenig etwas Besserem belehrt als der Herr Doktor die Stelle „lokalisiert“ hat – ein Daumen gegen meine Wade – und ich habe mit letzter Selbstbeherrschung verhindert laut aufzuschreien (was wohl der anwesenden Arzthelferin geschuldet war). Stattdessen habe ich leise gewinselt – auch nicht besser, hat aber wenigstens für Erheiterung bei der Arzthelferin gesorgt und Herrn Doktor ein: „Aha, das ist wohl die richtige Stelle“ entlockt.

Genug gejammert – das zweite Halbjahr kann ja nur besser werden! Jetzt hoffe ich, dass bis zum IM70.3 in Zell am See die Wade wieder mitspielt und ich einen halbwegs passablen Saisonabschluß im Triathlon hinlegen kann, Bestzeit wirds wohl keine werden, aber Spaß haben möchte ich schon 🙂

 

 

 

4 Gedanken zu „DNF und sonstige Ärgerlichkeiten“

  1. Schön geschrieben! Das bringt das Leid des Sportlers und vor allem den Widerwillen, einen Wettkampf aufzugeben, schön rüber. Man fährt schließlich zum ankommen hin! Ich drücke Dir die Daumen, dass Dich dein MFR nicht zu lange außer Gefecht setzt!
    Grüße, Martin

  2. Du kannst mir glauben, ich fühle mit dir.
    Der Tag in Roth hat viele gezwungen aufzugeben. Und dabei ging es nicht um mentale Schwäche sondern einfach um den Fakt, das der Körper die Hitze nicht mehr ertragen hat. Und ich denke auch, Gesundheit sollte doch über allen sportlichen Zielen stehen.
    Insofern hast du alles richtig gemacht.
    Das mit der Wade ist jetzt natürlich sehr ärgerlich. Aber das heilt ja meistens sehr schnell ab, zumindest wenn der Patient sich auch an die Reglen hält 🙂
    Ich wünsche dir gute Besserung und dann auf nach Zell 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

  3. …und was lernen wir daraus? Spiele nie mit den großen Jungs Basketball 🙂
    In diesem Sinne, dunk it!!!

    Gruss,
    Veit

  4. OMG. Dann warst du das in der Abfahrt, den ich gesehen habe.
    Aber alles richtig gemacht. Bevor noch schlimmeres passiert, lieber aussteigen. Es war sowieso Wahnsinn, wieviele in Roth ausgestiegen sind.
    Und jetzt auch noch die Wade…
    Du hast Recht, erstes Halbjahr abhaken und neu aufbauen.
    Viele Grüße und alles Gute für Zell
    Karina

    P.S. ich finde die Compressionsstümpfe super, geben mir ein gewisses Stabilitätsgefühl 🙂

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