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Langsam wird es ernst – Triathlon Ingolstadt

Vorstart_Ingolstadt

Der Triathlon Ingolstadt steht vor der Türe und langsam wird es wirklich ernst mit Blick in Richtung Challenge Roth 2014.

Das  Wochenende habe ich am Samstag noch einen 20km Lauf und am Sonntag die Rückfahrt aus Niederbayern mit ca. 157 Kilometern auf dem Rennrad absolviert. Montag folgte ein „day off“, die geplante längere Schwimmeinheit im See mit etwas wärmeren Wassertemperaturen als bei meinem ersten Seeschwimmen in diesem Jahr viel der Verspätung meines Rückflugs aus Köln zum Opfer

Leck - das war wirklich kalt

Heute wieder zwischen 19 Kilometer an der Isar, die Füße tragen und mein Laufpartner und ich Lust hatten  Spaß am Laufen – heute ohne die Sommerposer, hat ja auch geregnet…. Mittwoch gehts in den Pool, Donnerstag schwanke ich noch wild ob ich jetzt zum „Vatertragstrailrun“ aufbreche oder doch lieber nur gemütliche 80 Kilometer auf dem Aerobike absolviere. Der Blick in den Trainingsplan sagt mir, ich sollte die 80 Kilometer auf dem Aerobike machen, für die Muskulatur bestimmt die sinnvollere Alternative. Freitag wird ein „day off“ Samstag dann kurz von München nach Ingolstadt (mit dem Auto versteht sich) und das Rad einchecken, eine Runde der Laufstrecke drehen und am Sonntag heisst es dann: its’s RACEDAY

Vorgenommen habe ich mir für Ingolstadt eigentlich nicht so wirklich viel, es wird ein Test werden ob Tempogefühl und körperlicher Zustand zusammenpassen. Mein persönliches Drama an der Sache: Die Halbdistanz ist ja gar keine Halbdistanz! Ich muss 100 Meter weiter schwimmen und darf 13 Kilometer weniger radfahren…. wenigstens die Laufstrecke stimmt 🙂

Mein ganz persönlicher Paceplan steht auch schon:
swim 2km: 2:20m/s = 46:40
T1: 4:00
bike 77km: 31km/h = 2:29:01
T2: 3:00
run 21,1km: 5:25min/km = 1:54:17
Gesamt: 5:16:58

Damit wäre ich zufrieden und hätte mir das zweite „gute Gefühl“ für die Challenge Roth geholt…..

Challenge Roth – Ludwig

Der Tag, wie ich ihn erlebt habe:

Vor dem Start:
Sonntag, 8.7. 5:00 Uhr, es ist jetzt bald soweit. Frühstücken und dann runter zur Wechselzone. Vor der Wechselzone angekommen habe erst einmal verzweifelt nach dem Eingang gesucht, wo kommen denn die ganzen Zuschauer jetzt schon her?? Endlich das kleine Loch im Zaun gefunden das der Eingang war. Also rein und zum Fahrrad. Hier war mein Vorteil, dass ich Aufgrund meiner angegebenen Zielzeit von 13:00 Stunden die Startnummer 3010 bekommen habe und die „Bratwürste“ waren auf der anderen Seite der Wiese zum Radparkplatz verdonnert worden, also auf der Seite der Staffeln. Das sollte sich für mich noch als psychologisch wertvoll herausstellen. Fahrrad gefunden, PowerBar in die Box, Flaschen dran, Startnummer dazu, Helm öffnen, Sonnenbrille reinlegen und die Reifen mit dem passenden Druck ausstatten. Alles passt, wunderbar und jetzt gaaaaanz schnell zur Toilette, diese Nervosität…. Der Lautsprecher meldet los gehts zum Startder Pro’s, ich hänge am Zaun und starre gebannt auf den Start. Startschuss, die bringen die Leine nicht in die Höhe und das Feld der Pro’s und ganz schnellen Jungs klettert über die Startlinie und prügelt durch das Wasser. Genug gesehen, ich setze mich in die Sonne und warte und warte und warte und ziehe den Neo, nein – und gehe nochmal auf die Toilette und ziehe jetzt den Neo an. Letzter Handshake und positive Worte mit Veit gewechselt, „see you at the finishline“ hoffentlich auf bald…..

Schwimmen:
Check in am Schwimmstart, Neo zu, rein ins Wasser und langsam zur Startleine. Ich wollte doch nur 3,8 Kilometer schwimmen, aber ich muss einschwimmen, da die Startleine geschätzte 100 Meter weit vom Einstieg weg ist. Mit grossem Abstand zur Startleine und kurzer Versicherung in meiner Umgebung, dass alle so ca. 1:30 schwimmen wollen bin ich beruhigt und PENG los gehts. Ich weiss nicht was die Triathleten in der vorletzten Startgruppe bei der Challenge Roth dazu bringt den Schwimmstart in eine Kampfbahn zu verwandeln aber gut, ich habe es zur Kenntnis genommen und bin wie gewohnt rechts hinten vor mich hingepaddelt. Da gab es kaum Prügel und ich konnte immer schön rechts am Rand die Zuschauer beobachten. Erste Wendeboje nach knapp 34 Minuten erreicht, jetzt kommen 1,9 bis zur nächsten Wendeboje…… Irgendwann habe ich mir überlegt, ob ich nicht die Rettungssanitäter an Land zählen sollte, so als Beschäftigungstherapie bis das Schwimmen um ist. Die Idee habe ich verworfen, als ich zu meiner absoluten Überraschung Badekappen der Startgruppe vor uns gesehen habe, es gab tatsächlich schlechtere Schwimmer als mich?! Unglaublich, aber wahr. Zweite Wendeboje, jetzt noch knappe 400 Meter und ich bin raus aus dem Wasser… Helfende Hände von der Wasserrettung am Schwimmausstieg, leichtes Taumeln nach links, ich stehe, ich kann gehen, aber laufen will ich noch nicht, nach 1:31:21 im Wasser kein Wunder.

T1:
Badekappe ab, Schwimmbrille runter, Beutel nehmen, Neo öffnen, hinsetzen und umziehen…. Die Helfer sind super, Beutel ausgelehrt, Beutel eingepackt und ich laufe zu meinem Rad, Helm auf, Brille auf, Startnummer um und los – zur Toilette, ich muss pinkeln – jetzt aber los gleich ist der Radstart erreicht.

Bike:
Aufsteigen und mal locker losfahren und dann erstmal frühstücken auf dem Rad, einen Riegel sofort, die erste Radflasche halb gelehrt, den zweiten Riegel auf das Oberrohr ausgepackt aufgeklebt und dann wollen wir mal, nur nicht zu schnell. Der Wind hat wenig Freude gemacht, aber ich habe jeden Pedalumdrehung genossen, Die ersten Kilometer schön, flach, toll, die Verpflegungsstelle der Bundeswehr in Eckersmühlen ist phantastisch ein ganz lieber Dank an die Mädels und Jungs! Das hat die Stimmung gehoben, super! Ortseinfahrt Greding und eine Kurve, ein Schild mit 10% und Hurra, die schlimmste Steigung des Rennens ist zum ersten Mal in Angriff genommen, rauf und ein „Ludwig – super Zeit, das passt!“ Wer kann das sein, da steht doch keiner den ich kenne…. doch ein Kumpel von Veit hat mich erkannt und freue mich über die Worte, abklatschen ein kurzer Schauer über den Rücken und drüber und weiter, Abfahrt, Tempo, Tempo, Kurve, Strohballen?! Bremsen! Ich habe weiterhin jeden Meter genossen und mich gefreut, dass ich dabei bin. Essen, weiterhin die guten Riegel von PowerBar genommen und an jedeer Verpflegungsstation abwechselnd einmal die Wasserflasche und einmal die Isoflasche getauscht und eine Banane genommen. Fahren, fahren, Zeitmessmatte überfahren, Kurve Absperrgitter, Menschen überall Menschen das muss doch…. das ist doch…. das ist der SOLARER Berg, Wahnsinn, einfach treten und genießen, das ist Wahnsinn, durch die Menschenmassen hindurch und weiterfahren, es wird leiser und leiser und auf einmal ist man wieder alleine, noch völlig überfordert von diesem Erlebnis lege ich mich auf den Aerolenker und fahre wie von Sinnen weiter, gleich ist die erste Runde rum, gleich kommt Eckersmühlen und ich denke mir: „Wäre doch jetzt einfach nur super wenn Alois am Straßenrand steht, ein Weißbier in der Hand und winkt“ Biermeile, lachen, rufen und ich höre ein „Ludwig“, die Stimme kenne ich, das ist doch…. da ist er mit einem Weißbier, hab ich mich gefreut, dass genau das passiert was mein Hirn vorgeschlagen hatte. Weiter geht’s Riegel, Gel, Banane trinken und kurbeln, der Wind lässt nach, es geht wieder etwas flotter zur Sache (für meine Verhältnisse), von hinten kommen die Staffelradfahrer, schneller, kraftvoller an mir vorbei, beruhigend für mich ist nur, dass nur die Staffelradler kommen, die Startnummern in meinem Bereich kann ich fast alle überholen und sehe die meisten auf der Radstrecke dann nicht mehr. Anfahrt Greding, ich freue mich auf diesen Berg inzwischen, Kurve 10% Schild und ich höre meine Frau, „Kinder da ist der Papa“ die Beiden lachen und winken und laufen ein Stück mit den Berg rauf, ich freue mich, kann lachen und rufe: „Ist Veit noch dabei, wie geht es ihm?“ Die Antwort war wie erhofft: „Sieht gut aus, ist vor 40 Minuten zusammen mit D. durchgekommen“  Super, beide noch dabei, alles im Lot, sind ja beide für mich kein Maßstab, weil fitter und besser, ein paar Meter weiter steht dann Robby mit seinem Photoapparat und grinst, alle da ich bin überwältigt. Weiter geht  die wilde Jagd, ich überlege ob ich nach 130 Kilometern mal pinkeln gehen soll, verschiebe das aber auf T2, da steht doch ein Häuschen für diese Fälle bereit. Zweite Anfahrt auf den Solarer Berg und immer noch Menschen, Menschen, Menschen die schreiben und rufen und winken und raus aus dem Sattel und rauf, rauf und „Ludwig schau“ Alois die zweite, ich lache innerlich, Weltklasse was mein meine Familie und Freunde da für mich machen! Solarer Berg durch, Verpflegung aufnehmen, und weiter Richtung Eckersmühlen, der Wind ist weg und es geht deutlich flotter. Leichtes Gefälle, weiter, Gabelung, nach rechts Richtung T2. Ich höre in mich hinein, alles ruhig, Körper macht die Nummer noch mit, o.k. ein Blick auf die Uhr kurz vor Ende der Radstrecke sagt mir, dass alles nach Plan läuft. Der Puls passt, die Radzeit dürfte ca. 6 Stunden werden. Runter vom Rad nach 5:59:02 HURRA, auch der Plan geht voll auf.

T2:
Das Rad wird abgenommen, coole Sache, ein paar Schritte gehen, Startnummer nach vorne drehen, und wo sind denn die Beutel???? Ein Helfer ruft „3010“ ich schaue verwirrt und Sekunden später drückt mir jemand meinen Beutel in die Hand. Wie cool ist das denn? Rein ins Wechselzelt, noch ein Helfer kommt und leert den Beutel aus, gibt mir die Schuhe in die Hand, meinen MP3 Player und meine Mütze, ich sammle noch die Verpflegung auf und stecke sie hinten in die Trikottasche und raus aus dem Wechselzelt – wohin, na klar auf die Toilette 😉

Laufen:
Auf die Laufstrecke, das geht alles noch ganz gut, Blick auf die Uhr, das ist zu schnell, sofort an der Bremse ziehen, Du musst noch einen Marathon laufen. Etwas langsamer geht es Richtung Lände, warm wird es die Sonne kommt raus. Vor der ersten Verpflegungsstation steht Alois, meine Verpflegungstüte in der Hand, ich freue mich, ein paar Worte an die ich mich nicht wirklich erinnern kann und ich laufe weiter. Kurz vor der Lände winkende Kinder, meine Frau und ich kann noch lachen, ich glaube aber, dass das Lachen nur innerlich war. Links raus und entlang des Kanals raus zum ersten Wendepunkt. Bei Kilometer 9 kommt mir Veit entgegen, es geht noch, alles gut beide lachen noch. Weiter, weiter, weiter, es wird wärmer, Wendepunkt 1 erreicht, PowerBar Energize Shots Cola gehen rein, jeden Kilometer einen. Wasser nachspülen und weiterlaufen. Prima, der Weg ist das Ziel, Halbmarathon erreicht, kurz verschnaufen, stehen bleiben, essen Banane geht noch. Weiter, der Schritt wird schwerer, der linke Schienbeinmuskel zwickt, ok. So ist das also wenn man meint eine Langdistanz zu machen. Es geht aber noch, also immer weiter, das Stimmungsnest gefunden, Alois hat mich gefunden, ich gehe, es tut weh… Ich mag gerade nicht mehr, Alois will mich überreden: „Da vorne steht deine Familie, komm lauf – Veit ist auch hier durchgelaufen“ Nein, laufen mag ich gerade nicht, ein paar nette Worte und es geht wieder, weiter Richtung Wendepunkt 2. Es geht wieder mit der Lauferei bis zur Verpflegungsstelle in Eckersmühlen, dann kam wieder eine Wandereinheit, rauf den den blöden Hügel und inzwischen, ein ganz dringendes Bedürfnis… Ich wandere, Alois steht da: „Ich dachte Du kommst schon von oben, aber Du kommst ja noch von unten“ – „Richtig ich muss auch wohin, da hinten kommen bald die Klos“. Rauf zur Wendemarke, rum und wieder runter bin ich dann gelaufen, Alois hat mich ein Stück begleitet und dann kamen endlich die ersehnten Dixiehäuschen 🙂 Raus aus dem Dixiehäuschen wollte sich keine Laufbewegung einstellen, Alois gab mir ein RedBull kurz hinter der Verpflegungsstelle, ich war glücklich, rein das Zeug und noch ein paar Meter gehen, noch ein bisserl und endlich war ich wieder da, Laufbewegung aufnehmen und es ging und es ging und es ging. An der letzten Verpflegungsstelle an der Lände dann einen Becher Hühnerbrühe (juhu, Salz), einen Becher Cola und einen Becher Wasser in mich hinengeschüttet und den Schwamm am Rücken, wie an jeder dieser Stellen gegen einen frischen ausgetauscht. Weg von der Lände, durchs Gewerbegebiet noch ein Stückchen gehen. Endlich war ich wieder im Wald, laufen, es geht, noch 6 – noch 5 – noch 4 die Laune steigt, noch 3 über den Rother Marktplatz rum und auf Kopfsteinpflaster einen leichten Anstieg rauf – ich gehe ein letztes Mal, noch 2 Kilometer, MP3 Player aus den Ohren. Ich höre den Stadionsprecher, ich laufe Richtung Zielkanal, stolpere kurz vorher noch fast über eine unachtsame Frau, die Rad über die Laufstrecke schieben will. Die umstehenden Zuschauer schimpfen mit Ihr, nach 5 Metern habe ich es vergessen. Ich bin tatsächlich auf dem Zielkanal angekommen, laufe auf den roten Teppich, noch 2 Kurven, dann ist es geschafft – bange Sekunden des Suchens: Wo sind meine Kinder?
Aaaaahhhh, da eines rechts, eines links und eine Kurve und noch eine Kurve der Zielbogen, DURCH, Medaille um den Hals und jetzt die Kinder kurz nochmal bei meiner Frau parken und YEAH, geschafft 🙂

Feuerwerk:
Ein tolles Feuerwerk habe ich dann auch noch genießen dürfen. Links im Arm den Veit, rechts im Arm meine Frau und daneben noch der Weltklassesupporter Alois und Robby 😉