Archiv der Kategorie: Der Weg nach Roth

Roth Relay 2017

Ja, dann wollen wir in 2017 wieder nach Roth pilgern.
Für mich nach 2010, 2012 und 2014 die 4. Teilnahme.
Für Veit die 5. Teilnahme nach seinem lassigen Finish im letzten Jahr.
Aber ein bisschen anders wird es, also eigentlich wird es wie 2010: Staffelstart. Nun ja, eigentlich war ich Mal an dem Punkt: Staffel?! Ohne mich, das mach ich alleine! Aktuell ist es so, dass ich mich sogar vor dem Marathon ein wenig „fürchte“…..
Warum ich mich fürchte? Der Job an sich und die Branche in der ich arbeite auch noch für sich….
Kein Gejammere – es muss trainiert werden und ein solider Marathon gelaufen werden. Zeitansatz? Mal schauen, jetzt müssen erst Mal 5kg runter und dann Rock’n’Roll !

Koffer packen…

… für die Challenge Roth 2014…

Nun denn ist es also soweit, viel zu wenige Kilometer sind geschwommen, der Raddruck ist auch nicht so wirklich überzeugend aber wenigstens die Sache mit dem Laufen ist gut gelaufen dieses Jahr. 2 1/2 Wochen vor Roth hat mich noch eine 3fache Wurzelbehandlung gelähmt – dicht gefolgt von einem grippalen Infekt mit dessen Ausläufern ich jetzt noch kämpfe. Dementsprechend gut ist meine Laune und die Familie hat ordentlich mit meiner Stimmung zu kämpfen. Ich bekomme den Frust einfach nicht aus meinem Kopf.

Da bereitet man sich monatelang vor, in Gedanken schwimmt man zig Male durch den Main-Donau Kanal, quält sich den Kalvarienberg hoch, genießt die grandiose Stimmung am Solarer Berg läuft an die Lände, freut sich über die Gartenschlauchdusche in Schwand, holpert über das Kopfsteinpflaster in der Rother Altstadt, erreicht den Zielteppich, schenkt der Frau ein (wenn auch gequältes Lächeln) nimmt die Kinder rechts und links an die Hand und läuft durch den Zielbogen – und dann kommen die Zweifel… Zu viel Arbeit und krank auch noch, 4 Wochen miserables Training, weil es halt nicht anders ging, geschäftlich wie gesundheitlich! Also nochmal ruhig zusammenfassen: Der Stadt-Triathlon in München lief genau wie geplant, der Triathlon in Ingolstadt war fantastisch aus meiner Sicht und auch der verregnete Start beim Halbmarathon vom Münchener Stadtlauf lief mit eigentlich gut mit neuer PB – was zum Teufel ist denn jetzt schief in meinem Kopf?
Engel links: „Nichts, alles ist gut, Du gehst wenigstens gut getapert und völlig ausgeruht an den Start“
Teufel rechts: „Ha, Du wirst am Kalvarienberg schon das erste Mal weinen und jeder verdammte Kilometer an der Lände wird ein Fest der Schmerzen werden“
Engel links: „Na, na, na, alles wird gut – Du hast prima support an der Strecke, die Familie bestimmt bei der zweiten Durchfahrt Kalvarienberg da um Dich zu unterstützen und denk immer dran, Alois und Stefan werden schon in Eckersmühlen stehen und Dich unterstützen. Wenn Du Glück hast kommt noch Rudi an der Marathonstrecke vorbei und ausserdem und überhaupt, schau mal auf die Ergebnisse aus diesem Jahr, was willst Du denn? So schnell vergeht die Form nicht“
Teufel rechts: „Hahaha, da kommt das erste DNF auf Dich zu mein Freund – der Husten ist noch nicht weg und eigentlich fehlt Dir ein 30km Lauf und eine lange Radausfahrt“
Ich habe jetzt meinen beiden Kameraden auf der Schulter befohlen die Schnauze zu halten und La Paloma zu pfeifen, denn beide haben ein bisschen Recht, es wird ab einem gewissen Punkt weh tun, der Husten wird den Traum von einer für mich tollen Zeit eher verhindern, aber so schnell vergeht die Form wirklich nicht und bisher lief das Jahr mit allen Trainingswettkämpfen wirklich gut. Also – DNF is not an option und see you at the finishline.

Was hat das alles eigentlich mit Kofferpacken zu tun?

Zugegeben eigentlich nichts, aber jetzt könnt Ihr Euch den Zustand in meinem Kopf vorstellen. Also dann, ich packe meinen Koffer und nehme mit: 

Koffer

Meinen Sailfish Vibrant, meinen Bell – Helm, die Shimano – Radschuhe, das quietschgelbe Sugoi – Shir damit mich Familie und Freunde schnell erkennen, meine Tri-Hose und ganz wichtig: meine verspiegelte Sonnenbrille, die mich ab Wechselzone 1 bis zur Finishline begleiten wird, soll ja keiner die Verzweiflung in meinen Augen sehen. Zum laufen gehen die Brooks Ghost 6 mit und mein Cap. Warum der Brooks Ghost 6? Ganz einfach, der Schuh verzeiht mir wenn ich ab Kilometer 10 beim Marathon unsauber laufe und außerdem hat er mich über viele, viele Kilometer im Training getragen, also wird er mich auch gut über den Marathon bringen.

Heute Abend wird dann der Kofferraum gefüllt und am Samstag um 10 Uhr verabschiede ich mich mit den Worten: „Erwartet mich am nächsten Tage bei Sonnenuntergang im Rother Triathlonpark“

 

Stadtlauf München

 Kurz vor der Challenge Roth also noch ein Halbmarathon, einfach so, am Ende der zweiten Belastungswoche…. und danach noch auslaufen? Nun bekloppt, aber es hilft halt nichts.

Startpack_StadtlaufAm Donnerstag habe ich die Startunterlagen im Sport Scheck in München abgeholt, ein interessantes Unterfangen: Rein in den Sport Scheck, der lustige Kamerad im Sport Scheck Shirt am Eingang hat mich angeglotzt als wäre ich ein Außerirdischer, zugegeben, ein altes Baumwoll – Finisher Shirt vom 3MUC Triathlon, eine kurze Cargo – Hose und Helm auf dem Kopf und ein Rucksack wirken in der Münchener Innenstadt etwas befremdlich. Rauf in den zweiten Stock, zur Startnummernausgabe, im Rucksack nach der Meldebestätigung kramen und abgeben. Die Dame tippt etwas ein, lächelt, drückt mir einen kleinen Zettel mit „M L“ in die Hand und sagt: „eigener Chip?“ – Ja, eigener Chip stimmt. „Gut, dann rüber zur Shirt – Ausgabe, alles ok“. Ein paar Meter weiter stehen gelangweilte Mädels und Jungs an der Shirt – Ausgabe. 2 der Damen unterhalten sich angestrengt, eine davon nimmt dann meinen Zettel und wirft ihn in eine Box und unterhält sich weiter. Ein junger Mann kommt auf mich zu mit Shirt in der Hand und sagt: „Zettel?“ – „Den habe ich gerade der Dame da in die Hand gedrückt“ – Leicht genervt peilt er die beiden Quasselstrippen an und meldet „Größe?!“ – „L“ „Aha“ dann packt er das Shirt in einen Beutel und wünscht mir viel Spaß. Nachdem er so nett die Augen verdreht hat würde ich vermuten, dass die ihn die beiden, wenn auch wirklich nett anzusehenden Quasselstrippen etwas genervt haben (mich auch) – noch ein bisschen durch den Sport Scheck schlendern und für mich völlig untypisch kein Geld in einem Sportladen lassend bin ich dann zum Ausgang geschlendert, dort war dann der Türsteher wieder zu sehen, lässig ist er auf und ab gegangen und hat mit dem Oberkörper coole Kampfsportmoves gemacht. Als sich unsere Blicke kreuzten hat er den absoluten Gangsterblick mit nach vorne kippenden Schultern und angedeutetem rechten Puch vorgeführt. Ich habe das mit einem freundlichen Lächeln und kopfschütteln beantwortet und habe ich Richtung meines Rades bewegt.

Die Woche war eigentlich relativ kernig, Montag schwimmen, Mittwoch 60km mit Veit auf dem Rennrad, Donnerstag 43km schreckliches MTB Gebolze, Freitag 40km GA1 Radtraining, Samstag 60km auf dem Rennrad und 1,5 Kilometer im Karlsfelder See und Sonntag nun ja, der Stadtlauf mit anschließendem Auslauf.

Nach dem Triathlon in Ingolstadt war die Ansage von 1:39:xx gekommen und ich bis Freitag auch noch überzeugt, dass es klappt. Am Freitag bin ich dann allerdings auf dem spontanen Straßenfest etwas zu spät und nun ja – wohl auch mit dem ein oder anderen Whisky zu viel ins Bett gegangen :-/ Vorbei war es mit eiserner Disziplin und Selbstkontrolle….Am Samstag lief das Training dann zwar ganz gut, aber gespürt habe ich es deutlich.

Sonntag, 5:00 Uhr aufstehen, frühstücken, Mülltüte aufschneiden, anziehen und ab zur S-Bahn. Dank der Stammstrecken Sperrung bin ich dann vom Hauptbahnhof zum Marienplatz gelaufen – vorbei an einer Diskothek vor der die Raucher und Säufer standen und zu deren Erheiterung ich in meinem Aufzug sorgte, mitlaufen wollte komischerweise keiner.

Auf dem Weg zum Startblock dann noch Veit und Arik am Treffpunkt getroffen, der obligatorischer Dixiestopp geriet zum Drama, 20 Dixies und nur EINES offen alle anderen waren abgesperrt. Nach dem Dixiestopp haben wir dann den @timekiller am „alten Peter“ getroffen und auf @Laufblog gewartet – aber uns leider verpasst haben.

Kilometer Splits beim Stadtlauf München
Kilometer Splits beim Stadtlauf München

Eingereiht in Block 2 – 1:30 bis 1:45 Läufer warten wir darauf, dass die erste Gruppe – in der wieder einmal viele langsamere oder sich komplett überschätzende Läufer starten, kurz darauf starten wir auch. Die Jagd nach den „Falscheinreihen“ und meiner Traumzeit von 1:39:xx ist eröffnet.
Der Regen der eigentlich erst ab Mittag kommen sollte pritschelt seit 10 Minuten vor dem Start unaufhaltsam auf ein und wird dummerweise kurz nach dem Hofgarten immer schlimmer. Die sandigen Fußwege im Englischen Garten werden etwas seifig und der Grip lässt nach, ab Kilometer 5 bilden sich bereits schöne Pfützen. Ab Kilometer 6 passiert das was passieren musste: Ich laufe auf Läufer die sich im „nicht zu ihrer erwarteten Zielzeit passenden Startblock“ auf, soweit noch nicht schlimm, sind ja nicht viele. Durchgangszeit bei Kilometer 10: 00:47:37 (04:46 min/km) etwas zu langsam für die 1:39:xx aber bei einem negativen Split noch machbar, ich versuche etwas zu beschleunigen, bei Halbzeit habe ich 00:50:12 auf der Uhr, muss also 25 Sekunden reinlaufen, kurze Diskussion mit meinen beiden „Schultersitzern“:
Teufel links: „Harharhar, lauf einfach schneller Du Pfeife“
Engel rechts: „Tempo halten, es regnet, nur nichts riskieren, ein PB laufen wir auf jeden Fall“
Das geht dann so bis irgendwo in der Mitte von Kilometer 13 – jetzt rächt sich der vorher etwas unglückliche Dixiestopp – Büsche, Büsche, Büsche – schnell und ab ins Gebüsch.
Der Kilometer 13 spricht dann für sich 05:27min/km alles beim Teufel…
Teufel links: „Weichei, lauf schneller, Du Pfeife! Das wird gefälligst aufgeholt!“
Engel rechts: „Ruhig Blut, eine PB schaffen wir schon, nur nichts überstürzen“
Kilometer 14 läuft gut mit 04:03min/km, nur warum habe ich eigentlich kein Gel genommen? Ich bin ja leider doch einer der Läufer der auch bei einem Halbmarathon Energie zuführen muss sonst wird es immer schlechter…. Verpflegungsstation bei Kilometer 16, Wasser, Apfelsaftschorle, Apfelstückchen und Bananen, na Danke auch…. Bei Kilometer 17 greife ich beherzt zu den Gel – Gummi – Cola Shots von PowerBar, in dem Moment die beste Entscheidung, es läuft wieder etwas runder.
Inzwischen bin ich durch unzählige Pfützen, teilweise knöcheltief gestapft, die Schuhe schwimmen, der Wind kommt von vorne und er Regen? Na klar, der hat noch nicht aufgehört. Durch den Hofgarten, auf die Straße, etwas mehr Zuschauer, die letzten Meter laufen, Ziel – Veit erwartet mich bereits.
Blick auf die Uhr: 1:40:47, war wohl nichts, offiziell wird hinterher 1:40:44 stehen, ich hadere etwas mit mir – eine kleine Niederlage war das dann schon. Im Ziel dann schnell ein vom Veranstalter zur Verfügung gestellter Regenumhang drüber, dann erfrieren wenigstens nicht ganz. Trinken, 2 Bananen und ab zum Stachus, mit der S-Bahn bis nach Pasing, etwas aufwärmen…. Von Pasing bin ich dann noch ein Stückchen mit dem Bus gefahren und im Anschluss noch 5 Kilometer nach Hause gelaufen, aus den erwarteten 30 Kilometer wurden nur 26 und dann eine ausgiebige heiße Dusche.

Inzwischen habe ich mich mit den 1:40:44 angefreundet, mal schauen was nächstes Jahr so kommt, dieses Jahr laufe ich noch einen Halbmarathon – am Ende des Ironman70.3 in Zell am See und da werde ich mit Sicherheit keine neue PB über den Halbmarathon laufen können 🙂